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In der Ruhe liegt die Kraft

Wäre das nicht schön, einmal so wie das Kätzchen zu sein? Immer liebevolle Hände die einen streicheln. Der Futternapf ist immer gefüllt. Kommen und gehen, sich hinlegen und dösen, jederzeit. Ein guter Freund hat das einmal gesagt, beim Anblick seiner Katze. Er ist Projektleiter im Baugewerbe. Immer Termindruck, endlos viele Diskussionen/Streitereien mit Handwerkern und Baufirmen. Alles muss zügig fertig werden. Jeder Verzug kostet Geld. Seine Arbeit hat ihm schon ein Herzkammerflimmern eingebracht. Irgendwann hat er sogar einen besonders stressigen Job gekündigt, aus Angst vor weiteren Herzinfarkten.

Jeden Sommer fährt er ans französische Meer. An einen stillen Landstrich, an dem nicht so viele Touristen sind und trainiert Jodo. 4 Wochen bleibt er dort. Morgens in das Trainingscamp, mittags eine Ruhephase und dann wieder Training bis Abends. So einen Sporturlaub habe ich auch schon gemacht. Natürlich, beim Training vergesse ich alles um mich herum. Ich konzentriere mich auf die Kampftechniken und die Übungen. So dass ich an überhaupt nichts anderes denke. Nur im Hier und Jetzt bin ich dann. Am nächsten Morgen stehe ich gut gelaunt auf und spüre viel neue Energie in mir.

Während der Ausgangsbeschränkungen ist so etwas nicht möglich. Ich habe zwar ein kleines Fitnesscenter in meinem Wohnzimmer aufgebaut. Na Klar, nach meinen Übungen geht es mir gut. Der Körper hat “ Glückshormone “ gebildet. Aber ich kann während meines Trainings nie ganz abschalten. Irgendwie schaffen es bestimmte Quälgeister permanent aufzutauchen und mich abzulenken. Eigentlich, habe ich gedacht, waren sie doch schon längst verschwunden.

Mir ging es doch die ganze Zeit gut. Ich hatte keinerlei Schmerzen mehr. Und jetzt habe ich seit Ostern so ein unangenehmes Reißen im linken Daumen. Und ab und zu ein leichtes schmerzhaftes Pochen. Dabei kann ich doch jetzt meine Hand schonen, in der Isolation. Und bei der Ernährung habe ich doch auf alles geachtet. Sogar auf das Glas Wein am Abend verzichtet.

Ja ich gebe zu, das Süße kann ich nicht sein lassen. Irgendwie habe ich immer wieder gedacht: “ Komm, gönn Dir was in der schweren Krisenzeit.“ Kuchen, Törtchen, Pralinen, Schokoladen, Desserts. Bei ihrem Anblick kann ich ihnen nicht widerstehen. Und wenn ich erst mal einen zuckersüßen Bissen im Mund habe, kann ich nicht mehr aufhören. Selbst meine Bittertropfen können mir dann manchmal nicht helfen. Ich bin ein Zuckerjunkie.

Ich ärgere mich schon die ganze Zeit, dass ich nicht arbeiten kann wie immer. Denn während der Arbeitszeit bin ich voll konzentriert und denke auch nicht über Privates nach. Seit dem Shut down bin ich zu Hause. Normalerweise bin ich viel unterwegs und unternehme viel. Da habe ich gar nicht gemerkt, dass noch eine Parallelwelt in meiner Wohnung existiert. Diese viele freie Zeit, die mir zwangsverordnet wurde, kann ich gar nicht richtig genießen. Über viele Dinge denke ich nach. Wann wird diese Krise endlich vorbei sein. Wie wird es dann auch wirtschaftlich für uns weiter gehen. Überall wird nur mit Dunkelziffern gearbeitet. Deshalb ist eine Planung für die Zukunft nicht möglich. Nur das Abwarten bleibt uns. Ein Kontrollverlust.

Meine Nachbarin hat mich auf einen interessanten Gedanken gebracht. Sie hat im Radio gehört: Langeweile ist gut für den Menschen. Das hat sofort zwei Erinnerungen in mir geweckt. Einmal an das Buch Muße – Vom Glück des Nichtstuns von Ulrich Schnabel. Dieses Buch ist 2010 erschienen und heute noch genauso aktuell wie vor 10 Jahren. Die Digitalisierung, der Schonungslose Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen; das immer

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schneller, immer effizienter, ob in der Wirtschaft oder bei uns selbst, lassen uns keine Zeit zur Ruhe zu kommen. Ständig stehen wir unter Druck und Stress. Unser Hirn kann nicht abschalten und neue Energie tanken. Was doch wichtig wäre für neue Ideen und unsere Kreativität.

Sogar jetzt während der Corona-Maßnahmen gelingt uns das Abschalten nicht. Wir denken immer nur an das Weiter. Wir meckern sogar, weil wir all die Ablenkungen, das Shopping, den Konsum, die Völlerei im Moment nicht voll ausschöpfen können. Dabei ist doch die Isolation im Moment auch ein Geschenk. Endlich zur Muße zu finden.

Das zweite ist eine Empfehlung eines Neurologen. Am Anfang meiner Schmerzen hat kein Arzt die Ursache erkannt. Dieser Arzt hat mir damals eigentlich die beste Empfehlung gegeben. Mir eine Auszeit zu nehmen. Er sagte mir auch, dass ich sehr pflichtbewusst wäre. Wie sollte ich das machen. Nicht arbeiten, bedeutet auch finanzielle Einbußen. Welcher Arbeitgeber macht so etwas mit?

Aber ein halbes Jahr später habe ich meinen Job gekündigt. Bereits zwei Monate später waren meine Schmerzen weg. Der Stress und die Belastung waren nicht mehr da. Und ich hatte endlich Zeit gefunden, Ärzte aufzusuchen und über Arthrose zu recherchieren. In dieser Zeit habe ich mich auch sehr viel mit Achtsamkeit, Entspannungstechniken, Übungen zu Gelassenheit, Meditation befasst. Und damals habe ich doch auch dieselben Quälgeister erlebt. Ich hatte sie mir genau angeschaut und entschieden, sie in ihre Parallelwelt zurück zu schicken. Ich habe auch genau gewusst, wie ich das schaffen konnte.

Ich hatte doch diese Studie gelesen und auch selbst über Schmerzen geschrieben. Ach ich weiß auch nicht. Im Alltag, bei der Arbeit war das alles wieder vergessen. Schlechte Gewohnheiten haben sich wieder eingeschlichen. Auch Ulrich Schnabel schreibt, dass wir doch eigentlich wissen, was für uns gut ist. Aber wir trotzdem nicht in der Lage sind, aus dem Hamsterrad raus zu gehen.

Und genau dieser Schritt ist wichtig. Häufig werden Schmerzen auch mit psychosozialen Faktoren, wie Angst, Depressionen, partnerschaftlichen Problemen, Stress, in Zusammenhang gebracht. In der multimodalen Therapie werden deshalb nicht nur Symptome behandelt, sondern Körper und Psyche als eine Einheit betrachtet.

Eine Menge an Unbewältigtem ist in mir. Eingeschlichen in meinen Alltag, zur Gewohnheit geworden. Jetzt habe ich Zeit. Nichts kann mich ablenken. Ich kann endlich inne halten und einen neuen Anlauf nehmen, Ruhe und Frieden in mein Leben zu bringen.

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2753680

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2 Gedanken zu “In der Ruhe liegt die Kraft

    • Das Leben fordert schon viel von uns. Und die Menschen werden auch komplizierter und anspruchsvoller. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie an anderen das ablassen, was sie anderswo nicht können. 🤗

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