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Kortison

wird erst in der Leber zu Kortisol umgebaut. Kortisol an sich ist ein lebensnotwendiges Hormon. In Stresssituationen sorgt es dafür, dass unser Körper mit Energie versorgt wird. Zudem regelt es den Elektrolythaushalt und damit den Blutdruck. Außerdem ist es mit verantwortlich für die Immunantwort im Körper. Es ist an der Bildung und Verteilung von Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten beteiligt und hat eine dämpfende Wirkung auf Entzündungen.

Ein Entzündungshemmer, der nicht wirklich die Ursachen einer Krankheit bekämpfen kann. Im deutschen Ärzteblatt wurde eine aussagekräftige Studie veröffentlicht. Im Tierversuch an Mäusen verfettete die Leber, die Blutfettwerte wurden erhöht und bei längerer Anwendung kann sich Diabetes daraus entwickeln. Bei Recherchen zu Kortison habe ich weitere Berichte gefunden über Thrombosegefahr, Zerstörung des Knorpels.

Nach einer längeren Einnahme von Kortison darf es nicht einfach so abgesetzt werden. Unser Körper bildet in der Nebennierenrinde Kortison. Wenn wir Kortison über längere Zeit einnehmen, stellt er die eigene Produktion ein. Deshalb muss über längere Zeit Kortison ausgeschlichen werden. Bis die Nebennierenrinde es wieder selbst und ausreichend produziert.

Was aber auch wichtig ist: Dadurch dass die Immunantwort verringert wird, ist der Körper anfälliger für Infektionen durch Pilze und Erreger. Z.B. Lungenentzündung aufgrund einer Pilzinfektion.

Die Rheumaliga Schweiz hat einen umfassenden Bericht über die Wirkung von Kortison, das Positive und Negative, veröffentlicht. Neben den bekannten Nebenwirkungen, z.B. Adipositas, erhöhte Blutzuckerwerte kann auch Osteoporose, Muskelschwäche, Knochennekrose u.v.m. entstehen. Am Auge kann eine Behandlung mit Kortison sogar grauen Star oder grünen Star verursachen.

Seit Pfingsten lese ich das Buch Gesund durch Meditation, Das vollständige Grundlagenwerk zu MBSR, von Jon Kabat-Zin. Und auch er berichtet von Forschungsergebnissen über die Immunabwehr. Hier wird sie durch positive oder negative Emotionen beeinflusst.

Uns ist allen bekannt, dass die Psyche einen sehr großen Einfluss auf Heilerfolge hat. Die Rheumatologin Zhang und ihre Kollegen haben viele psychische Aspekte bei der Behandlung von Arthrose Patienten herausgefunden. Diese Arbeit ist 2008 erschienen und wurde in vielen Fachjournalen zitiert. Bis heute wurde sie nicht widerlegt.

Mit ihrer Meta-Analyse hat sie damals bewiesen, dass viele Medikamente und Behandlungen genauso wirksam sind, wie Placebos. Das hat sie auch für Steroide (Kortison) nachgewiesen. Interessant, wenn wir ein Nichts einnehmen, ist das genauso gut wie Kortison. 

Zur Untersuchung meiner Hand bzw. des Daumenballens bin ich in der Hand Chirurgie der Uniklinik gewesen. Meine Ärztin dort hat mir „nur“ Ergotherapie, Manuelle Therapie und eine Orthese verordnet.
Davor war ich bei einem anderen Handchirurgen. Der wusste noch gar nicht, was die Ursachen für meine Schmerzen waren. Er hatte damals eine einmalige Injektion mit Kortison vorgeschlagen, versuchsweise. Meine Schmerzen sind unverändert geblieben. Erst danach hat er mich an eine Uniklink überwiesen, für ein MRT.

Seitdem denke ich, dass viel zu schnell mit Kortison behandelt wird, anstatt erst einmal „harmlosere“ Wege zu gehen, ohne Nebenwirkungen und Risiken.

Ich hatte am 3. Advent, letztes Jahr, auch einen Beitrag über Kortison in mehreren Facebook Gruppen veröffentlicht. Auffällig war da, dass sich einige Betroffene geäußert haben, die im medizinischen Bereich und in der Physiotherapie tätig sind. Sie nennen gerne die Vorteile, zeigen Heilerfolge, persönliche und auch bei Patienten auf. Aber wie können Sie so sicher sein, dass eine Behandlung mit Kortison wirklich nötig war.

Und das passt auch gut zu dem, was Dr. Zhang damals herausgefunden hat. Ärzte bewerten die Behandlungserfolge ihrer Patienten wesentlich besser als der Patient selbst.

Der Placebo-Effekt und seine Determinanten bei Arthrose: Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien, WZhang1, Robertson1, Jones2, Dieppe3, Doherty1, Ann Rheum Dis. 2008 Dez;67(12):1716-23. doi: 10.1136/ard.2008.092015. Epub 2008 Jun 9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18541604?dopt=Abstract#

Deutsches Ärzteblatt, 2.04.2013, Kortison erhöht Thromboserisiko, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/53910/Kortison-erhoeht-Thromboserisiko

Deutsches Ärzteblatt, Medizinreport, Gonarthrose: Wenn Kortison schadet statt nutzt, Dtsch Arztebl 2017; 114(27-28): A-1384 / B-1157 / C-1132, Rüdiger Meyer, https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=192342&s=Knorpel&s=kortison

Kortison: Was ist gut und was ist böse? Dr. med Johannes Fröhlich, Erstveröffentlichung: Zeitschrift «info» Nr. 152 (Juni 2019) der Schweizerischen Polyarthritiker-Vereinigung (SPV), https://www.rheumaliga.ch/blog/2019/cortison-was-ist-gut-und-was-ist-boese

Medizinreport: Studien im Focus, Transkriptionsfaktor E47: Mechanismus des Steroid-Diabetes aufgeklärt, Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-272 / B-225 / C-225, Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation, Das vollständige Grundlagenwerk zu MBSR, O.W. Barth Verlag, 2013

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14 Gedanken zu “Kortison

  1. Avatar von annbarbara1 B schreibt:

    Ich glaube jedoch, dass Kortison ein gutes Medikament zur Kurztherapie ist. Langfristig ist die Einnahme problematisch.
    Aber meine erste Wahl wäre es nie. Liebe Grüße, Barbara

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    • Ich selbst habe, bis auf 2 einmalige Injektionen, noch keine langfristige Kortison Einnahmen gehabt. Und durch diese Injektionen wurde meine Gesundheit nicht gefährdet.
      Mittlerweile wird auch bei der Behandlung von Rheuma, darauf geachtet, Kortison so schnell wie möglich abzusetzen. Wegen der Nebenwirkungen. Patienten, bei denen noch keine endgültige Diagnose vorliegt, soll erst einmal kein Kortison verordnet werden.😊
      Und wir haben unseren Weg gefunden, auch ohne auszukommen.
      Viele Grüße, Ursula 🤗🐞🍀

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    • Avatar von annbarbara1 B schreibt:

      Ich stimme Dir in allem zu. Ich wollte nur deutlich machen, dass Kortison ein gutes und wirksames Medikament ist, aber selbstverständlich nicht immer angebracht und langfristig eh nicht.
      Geeeeenau 😁 Danke 🍀💫🍀

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    • Mit meinem Beitrag, kann ich nur für Arthrose sprechen und über meine eigenen Erfahrungen.
      Kortison wird auch eingesetzt bei Asthma, Krebs Erkrankungen und Multipler Sklerose. Ich selbst war noch nie ernsthaft erkrankt. Aber derjenige, der in solch einer Situation ist, wird sicherlich alles dafür machen, um gesund zu werden.
      In Leitlinien für rheumatische Arthritis wird mittlerweile empfohlen, Kortison so schnell wie möglich abzusetzen.
      Vielen Dank für dein Feedback und viele Grüße, Ursula. 🤗🐞🍀

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  2. Das Thema der Verwendung von Cortison schien mir das interessanteste und von großem medizinischen Nutzen zu sein. Ich hatte keine Ahnung von den Nebenwirkungen. Mit seinen vollständigen Informationen ist es eine unschätzbare Hilfe für gewöhnliche Menschen. Oft verbirgt die Werbung für die Pharmaindustrie grundlegende Informationen wie das, was Sie tun. Das bedeutet, dass Sie Ihr Produkt gut verkaufen. Ich freue mich, Ihren Blog zu lesen. Ihr Artikel ist gut vorbereitet und gut dokumentiert. Schön für dich.
    Manuel (Chile-Südamerika)

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    • Über die Risiken und Nebenwirkungen werden Patienten oft nicht informiert. Und mit jeder pharmazeutischen Behandlung können auch Ärzte Geld verdienen. Deshalb ist das Ziel meines Blogs, Medikamente und Behandlungsmethoden zu hinterfragen, ob sie wirksam sind. Welche Gefahren sie haben und welche gesunden Alternativen vorhanden sind. Vielen Dank für das Feedback. Viele Grüße Ursula. (Deutschland)

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  3. Liebe Ursula,
    ich hatte über ein Jahr lang Kortison nehmen müssen und bekam 1978 ca. 30 Pillen pro Tag zu schlucken (nicht nur Kortison), die ich dann, weil sie überhaupt nichts bewirkten, einfach abgesetzt hatte. Das sollte man nicht tun, ich weiß. Ich war damals dem Sterben näher als dem Leben. Da war es egal. Ich hatte viele Nebenwirkungen: Vollmondgesicht, Haarausfall, Zahnwurzelvereiterungen etc. Ich konnte nicht mehr sprechen, laufen und essen. Bin dann ins Krankenhaus für lange Zeit.
    Mein Morbus Crohn blieb mir treu, aber inaktiv nach zwei OPs. Trotzdem macht er sich gelegentlich durch Arthrose bemerkbar. Die flammt dann auf, ist aber bald wieder weg. Ich versuche sie zu ignorieren.
    Ich habe gehört, dass Boswelia ein sehr guter Kortisonersatz sein soll. Ein Bekannter hat es ausprobiert und sehr guten Erfolg erzielt.

    Liebe Grüße von Gisela

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    • Kortison ist bestimmt ein sehr wirksames Medikament, liebe Gisela. Hat aber auch eine Schattenseite. Ich selbst war noch nie lebensbedrohlich erkrankt. Derjenige der Asthma, Krebs, Multiple Sklerose, Rheuma hat, wird sicherlich alles machen, um gesund zu werden.
      Ich selbst kann daher nur über Arthrose und meine eigenen Erfahrungen sprechen. Ich persönlich habe meinen Weg gefunden, schmerzfrei zu bleiben. Ohne Medikamente, Behandlungen, Operationen. Und daran möchte ich auch weiterhin arbeiten.
      Ich freue mich, dass du deine Erkrankungen so gut überstanden hast. Und ich finde es toll, wie du mit Arthrose zurecht kommst. Erst gar nicht darüber nachdenken. Einfach weiter machen.
      Es ist wirklich gut, dass du deine Geschichte erzählt hast. Vielen Dank und liebe Grüße, Ursula

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  4. Vielen Dank für die gut recherchierten und gut dargestellten Informationen. Cortison kann kurzfristig wirklich eine Hilfe sein, aber einen Arzt zu finden, der danach einen anderen Weg der Heilung sucht, ist nicht leicht. Ich selbst hatte eine schwere Krebs-Erkrankungung und habe nach jedem Strohhalm gegriffen, der sich bot. Ich habe mich dann selbst gründlich informiert, und dann ging es mir besser. Deshalb finde solch hilfreiche Informationen sehr wichtig. Liebe Grße Marie

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    • Ich habe auch eine lange Odyssee durch die Medizin und Arztpraxen gemacht. Zunächst haben die Ärzte gar nicht erkannt, dass ich Arthrose habe. Nach meiner Diagnose habe ich angefangen zu recherchieren. Mein Vertrauen in die Ärzte war weg. Keiner von ihnen klärt die Patienten richtig auf. Heute bin ich beschwerdefrei und das habe ich selbst erreicht.

      Vielen Dank für dein Feedback. Viele Grüße, Ursula 🙋‍♀️🐞🌈

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